Als Kind hatte ich denkbar wenig mit Tanz am Hut. Mit ungefährt acht Jahren durfte ich eine Ballett-Klasse besuchen. Allerdings hielt meine Begeisterung nicht allzu lange an. Nach einem Jahr übten wir noch immer Plies und den Pas de Chat. Ein Tutu wäre mir damals ohnehin schon zu affig gewesen, also schmiss ich es hin.

Erst Jahre später, als CDs gerade der neueste heiße Scheiß waren und ich mir meine erste Compilation und einen tragbaren CD-Player mit Kopfhörern gekauft hatte, fand ich zurück zum Tanz. Ich schloss die Tür ab, setzte die Kopfhörer auf und hörte meine Lieblingslieder. In der abgedunkelten Sicherheit meines Kinderzimmers stampfte ich mit den Füßen, drehte mich im Kreis und ließ meine Arme im Rhythmus der Musik durch die Luft rudern.

Tanzen als DIY-Selbsthilfe-Tool

Das Tanzen entwickelte sich schnell zur täglichen Notwendigkeit. Mit Hilfe der Musik erschloss sich für mich das ganze Spektrum meiner Gefühlswelt. Im Tanz konnte ich meine Wut zulassen und sie mit meinen Händen zerhacken und mit meinen Füßen zertreten. Ich konnte meiner Freude mit sprichwörtlichen Luftsprüngen Ausdruck verleihen, ohne mich dafür schämen zu müssen.

Ich konnte mich in meiner Angst wiegen und durch die Schönheit der Musik konnte sie zu etwas anderem werden. Ich wandelte innere Bilder, die während des Tanzes in meinem Kopf auftauchten, in Bewegung um. In meinem Tanz fand ich eine Heimat. Einen Ort, so wie der Dichter Rumi ihn beschrieb:

„Out beyond ideas of right and wrong, there´s a field. I´ll meet you there.“

An diesem Ort konnte ich sein, wer ich wirklich war. Und meinem wahrhaften Selbst begegnen. Ohne Wertungen und Urteile. Der Tanz ist für mich ein Ort, an dem es kein Richtig und kein Falsch gibt. Der Tanz hält mir den Rücken frei, er fängt mich auf, ihm kann ich mich hingeben. Für mich ist er das Vehikel, das mich zu meinem höheren Selbst führt. Dort hole ich mir die Kraft, um dieses irdische Leben meistern zu können.

Dance as a Healing Art

Ohne es zu ahnen, hatte ich meine persönliche coping-strategy entwickelt. Ich hatte einen sicheren Ort geschaffen, an dem ich in Kontakt mit meinen Gefühlen treten konnte.

Über die Jahre wurde der Tanz zu einem wichtigen Lebensbegleiter. Erst in meinen späten Zwanzigern ging ich damit nach Aussen. Eine Freundin arbeitete sich gerade durch Anna Halprins Buch „Dance as a Healing Art“ und lud mich ein mit ihr gemeinsam die Übungen daraus „durchzutanzen“.

Damals machte ich die ersten Erfahrungen mit „witnessing“. To witness heißt bezeugen. Wir nahmen uns bestimmte tänzerische Aufgaben vor, wobei eine Person aktiv getanzt hat, während sie von der anderen beobachtet wurde. Nur ist das deutsche Wort „beobachten“ nicht ausreichend in diesem Kontext.

Wenn wir etwas „bezeugen“, dann beglaubigen, bestätigen und bekräftigen wir das, was wir sehen und wahrnehmen. Wir SEHEN die Person in ihrem Tanz. Wir beobachten mit unseren Augen und bezeugen mit unseren Herzen. Ich kann die Formen beobachten, die ich im Tanz sehe, aber was die Bewegungen in mir auslösen, fühle ich in meinem Körper. Wir stellten uns die Frage:

Was FÜHLE ich, wenn ich deinen Tanz beobachte?

Wenn wir den anderen in seiner Entwicklung, in seinem Sein, in seinem gegenwärtigen Ausdruck „bezeugen“, sagen wir JA zu dieser Person in ihrer unverwechselbaren Einzigartigkeit. Zeigt die Person ihre Schatten, begibt sie sich in Kontakt mit ihren Traumata, dann kann es ein essentieller Teil der Heilarbeit sein, das ich den Prozess als Beobachterin bezeuge. Ich urteile nicht. Ich werte nicht. Ich gebe keine Allround-Selbsthilfe-Lebenstipps zum Besten. Ich nehme die Person so an, wie sie ist. Ich sage JA zu ihrem Trauma, ich sage JA zu ihrem persönlichen Weg. Ich bekräftige mit meiner Rolle als Zeugin die individuelle Entwicklung dieser Person.

Ein weiterer Term aus dem Workshop-Jargon ist „to hold space“, was „den Platz halten“ bedeutet. In unserer Life-Coach-Bubble verstehen wir darunter einerseits die Bezeugung der Erlebnisse der beobachteten Person, andererseits die Wahrung des energetischen Raumes, den wir als Gruppe schaffen. In diesem sicheren Raum, in dem wir uns gegenseitig auf respektvolle Weise bezeugen, können uns gegenseitig ermutigen, tief in unsere Gefühlswelt einzutauchen, stagnierte Emotionen in Bewegung zu bringen und unser Mitgefühl aktivieren, in dem wir uns an der Entfaltung unserer „Reisegefährten“ erfreuen.

Schlussendlich sehen wir im Anderen eine Reflexion unseres Selbst. Wir beobachten den Anderen und sehen uns selbst. Was sehe ich? Was fühle ich? Womit gehe ich in Resonanz?

Diese Art des Tanzes war mir völlig neu und es dauerte lange, bis ich aufhörte vor ihr zu „performen“ und ich in meinen wahrhaftigen Tanz finden konnte.

Struktur versus Flow

Es sollte noch einige Jahre dauern, bis ich mehr in „festgelegte Formen“ des Tanzes eintauchen würde. Nach der Geburt meines Sohnes suchte ich etwas, das ich für mich tun konnte. Ich besuchte über zwei Jahre ein wöchentliches Training für Zeitgenössischen Tanz für Profis und engagierte Laien. Parallel dazu begann ich an einer Hip-Hop-Klasse teilzunehmen. Ich studierte Choreographien ein, was vor allem daraus bestand mich zumindest irgendwie in die selbe Richtung wie alle anderen zu rollen/drehen/springen/grooven.

Mein Tanzstil wurde dadurch um einige Tools und Kniffe reicher, aber ich merkte schnell, dass ich durch die vorgegebenen Strukturen schnell an Freude und Leichtigkeit verlor.

Ich wollte mit meinem Tanz kein Ziel erreichen.
Mein Tanz musste nicht schön sein.
Mein Tanz wollte nicht gefallen.
Mein Tanz musste nichts erreichen.

Spätestens als ich mit einer Freundin ein Kurzstück choreographierte und das Stück vor Publikum und Jury präsentierte wurde mir klar: Mein Tanz gehört nicht auf die Bühne.

Tanz ist Meditation in Bewegung

Also begann ich wieder in die strukturlose Form der Bewegung einzutauchen. Ich absolvierte hunderte Stunden Open Floor Movement, besuchte 5-Rhythmen-Workshops und übte mit einer Freundin weiterhin Praktiken aus Anna Halprins Life Art Process.

Und jeden Tag tanzte ich weiter. Meinen persönlichen Tanz. In meiner Küche. Mit messy Haaren und Jogginghose.

Ich fühlte mich stark dazu hingezogen, gemeinsam mit einer Gruppe zu tanzen. Und eines Tages kam aus dem nichts:


Trans-ZEN-Dance – AWAREness in Motion

Trans-ZEN-Dance ist mein gelebter Kinderzimmer-Tanz, der nun in meiner Erwachsenen-Küche angekommen ist und ich bin bereit, ihn in die Welt zu tragen und mit EUCH zu teilen.
♡ Thema im Februar: Tanz aus der Rolle!
♡ Wie kann ich mich bewegen und alles mit einbeziehen – Gefühle, Gedanken, andere Menschen, Leidenschaft und Begrenzungen?
♡ Wo bin ich jetzt? Wo möchte ich hin? Wie erreiche ich mein Ziel?
♡ Was passiert, wenn du deine alten, repetitiven Muster im Tanz ausdrückst und transzendierst?
♡ Wie kann ich meinen Tanz nutzen um “los zu lassen”?
Sei mutig und TANZE AUS DER ROLLE!
Du bist willkommen, so wie du bist! Es sind keinerlei Vorkenntnisse notwendig.

♡ Unsere Buchempfehlung dazu: Totem – Das Praxisbuch zu den Fünf Rhythmen

Aus ihrer Erfahrung als Schauspiel- und Tanzlehrerin hat die Musikerin Gabrielle Roth wirksame Techniken entwickelt, wie sich das Erleben der getanzten Ekstase in den Alltag integrieren lässt. Bewegung und Tanz sind ihre Methoden, um die Psyche zum Fließen zu bringen und den Weg zum inneren Zentrum zu finden. Die überarbeitete Neuausgabe des Standardwerkes der berühmten Lehrerin der „Fünf Rhythmen“.

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