Kennst du diese Momente in denen du wegen einer Lappalie in die Luft gehst? Oder jemand bringt mit einer scheinbar nebensächlichen Handlung das Fass zum Überlaufen? Für unser inneres Kind ist die Welt noch genau so groß, gefährlich und schwer verständlich wie damals. Drückt jemand einen unserer Trigger – die gut versteckten wunden Punkte – übernimmt unser inneres Kind das Steuerrad und versucht das Problem auf seine Art zu lösen. Wir ermutigen dich dazu mit deinem inneren Kind Kontakt aufzunehmen und in deine erwachsene Verantwortung zu kommen, damit dein inneres Kind, Kind bleiben darf.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Das dürfte mittlerweile kein großes Geheimnis mehr sein. Als Neugeborene sind wir völlig hilflos und für lange Zeit zu 100% auf Betreuung angewiesen. Unter den Säugetieren sind wir definitiv die ausdauerndsten Nesthocker, denn die „Brutpflege“ des homo sapiens kann sich bis zur Volljährigkeit ziehen, die einem halbwegs normal entwickelten Menschen-Kind ab ungefähr 18 Jahren zugesprochen wird.

Unabhängig davon, ob wir annehmen, dass wir uns per Seelenplan unsere Eltern ausgesucht haben oder alles reiner Zufall ist: wir sind auf die Personen, die uns als Kleinkinder füttern, wickeln und für uns sorgen angewiesen. Wir nehmen unsere Eltern* an so wie sie sind, ja, wir lieben sie bedingungslos für ihr Sein.

Von unseren allerjüngsten Mitmenschen können wir also eines der wichtigsten Dinge lernen:

Bedingungslose Liebe. Sie urteilen nicht über unser Aussehen, nicht über unseren Job, nicht über unser Verhalten. Für sie ist, was ist. Und das wird geliebt. Die ersten Lebensjahre konditionieren uns maßgeblich. Was wir in unserem unmittelbaren Umfeld erleben, prägt unsere Wahrnehmung und unser Erleben als Erwachsene.

Wir kommen mit einem relativ leeren Bewusstsein zur Welt. (Hach, das waren noch Zeiten… ) Ab der Geburt geht es dann richtig los. Von der ersten Sekunde an werden wir überflutet mit neuen Reizen. Jeder Reiz – jeder Geruch, jedes Geräusch, jede Berührung, jedes Wort – wird für alle Zeit in unserem Unterbewusstsein abgespeichert. Auch wenn wir meinen, wir könnten uns an unsere ersten Lebensjahre nicht erinnern, unser Unterbewusstsein tut es. In diesen ersten Lebensjahren fehlt uns ein „kritischer Filter“.

Wir nehmen alles, das wir erleben, für bare Münze. Deswegen glauben Kinder widerstandslos an den Weihnachtsmann und den Osterhasen, weil ihnen die Möglichkeit fehlt neue Informationen mit bestehendem Wissen abzugleichen und sich dann bewusst dafür zu entscheiden, ob sie Mama oder Papa die Story vom fliegenden Christkind, das Geschenke unter einen abgeschnitten Baum, der mit Glitzerkugeln behangen einmal im Jahr im Wohnzimmer steht, glauben können oder nicht.

Somit nehmen wir an, dass alles was wir mit unseren Sinnen erfahren, so ist und so zu sein hat. Das ist unsere eigene Realität. Die Normalität. Erst ab dem Schulalter entwickeln wir einen „kritischen Filter“. Wir können Vergleiche ziehen und uns eine eigene Meinung bilden.



Ist die Welt das, wofür du sie hältst?

Als ich mit ungefähr acht Jahren zu Besuch bei einer Schulfreundin war, passierte etwas, das meine Welt erschüttern sollte. Wir spielten im Wohnzimmer, ihre Mutter war im Haus anwesend. Am späten Nachmittag kam der Vater nach Hause. Ich sah, wie sich die Eltern begrüßten, sich auf den Mund küssten und Arm in Arm in der Tür stehen blieben und uns beim Spielen zu sahen. Ich stand wie gelähmt da und starrte diese Aliens an. Die küssen sich? Auf den Mund? Und warum stehen die so nah aneinander?

Das war ein völlig neues Bild für mich. Es begann in mir zu arbeiten und ich verstand, dass es eine Variable abseits meiner eigenen Realität gab.

Aber bis zu dem Zeitpunkt, in dem wir imstande sind, kritisch abzuwägen oder Distanz einnehmen zu können, sind wir schon voll mit Annahmen, Glaubenssätzen und auch traumatischen Erfahrungen, die unser Erleben und Handeln wesentlich beeinflussen. Wir rennen quasi mit einem Permanent-Filter durchs Leben, der es fast unmöglich macht Dinge wirklich neutral und objektiv sehen zu können.

Zuerst müssen wir uns dieses Filters bewusst werden. Was ist dein Filter?

Viele dieser Glaubenssätze beinhalten Schlagwörter wie:

ALLE Männer/Frauen sind…

Ich bin/habe IMMER…

Mir passiert ständig dies/jenes…

Unsere Filter

Es sind pauschalisierte Annahmen, die wir auf die Welt da draußen haben. Filter, die wir unbewusst über gewisse Situationen legen und uns wundern, wenn uns dann tatsächlich „immer wieder“ die gleichen Sachen „passieren“. Dabei verstehen wir uns eben als passive Erleber. Dabei müssen wir begreifen, dass wir alles durch unseren Filter sehen und wir dadurch verleitet sind anzunehmen, dass die Dinge eben SO SIND. Wir sind also vielmehr aktive Gestalter unserer Realität, weil wir die gefühlsmäßige Wahrnehmung unserer Erlebnisse der Gegenwart anhand unserer Prägung aus der Vergangenheit konstruieren.

„Der Glaube, es gebe nur eine Wirklichkeit, ist die gefährlichste Selbsttäuschung“ –

Paul Watzlawick

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Wir müssen begreifen, dass alles was passiert grundsätzlich NEUTRAL ist. Erst durch unsere innere Bewertung wird etwas gut oder schlecht. Erst durch diesen kritischen Filter haben wir gelernt ein Urteil fällen zu können, was an und für sich eine überlebenswichtige Fähigkeit ist.

Das Problem dabei ist, dass wir als Kinder Reflexe und Techniken entwickelt haben, die uns als Erwachsene daran hindern, voll in unsere Kraft zu kommen und aus einem neutralen Standpunkt heraus zu denken und zu handeln.

Kinder fühlen sich verantwortlich für die Stimmungen der Bezugspersonen und kompensieren. Sie lernen so die verschiedensten Methoden, um unbeschadet durchs Leben zu kommen und Harmonie zu erzeugen:

Brav sein. Folgen. Sich anpassen. Nachgeben. Still sein.

Laut sein. Im Mittelpunkt stehen. Rebellieren. Die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Verantwortung übernehmen. Helfen. Selbstlos sein. Sich selbst vergessen.

Das Wohl der anderen über das eigene Wohl stellen.

Das eigene Wohl über das Wohl aller anderen stellen.

Verletzen, bevor man selbst verletzt wird.

Rebellieren. Kämpfen. Im Alleingang die Weltherrschaft an sich reißen.

Diese Methoden wenden wir auch als Erwachsene an. Viele davon sind auch gesund und hilfreich und nicht unbedingt in der obigen Liste zu finden. In diesem Artikel geht es um die Umstände, die uns daran hindern gesunde, glückliche Beziehungen zu führen.

Die erste Liebe prägt uns fürs Leben

Unsere erste Liebesbeziehung ist meist die Beziehung zum gegengeschlechtlichen Elternteil. Dabei ist es irrelevant, ob der Elternteil physisch anwesend ist. Ein abwesender Elternteil hat genau so viel Aussagekraft und Wirkung, wie ein anwesender. Wir wiederholen unweigerlich die Beziehung zu unseren Eltern oder finden uns in einer ähnlichen Beziehungsqualität wieder, die uns unsere Eltern vorgelebt haben. Wir übernehmen ihre Glaubenssätze, wir sind in einem ähnlichen Maß fähig oder unfähig Liebe zu empfangen und zu geben.

Dabei können wir uns noch so anstrengen unsere eigenen Kinder in konfliktfreier Kommunikation und wertschätzendem Umgang zu coachen, so lange wir es nicht authentisch vorleben und aktiv TUN, stellen wir unsere Kinder vor eine enorme Herausforderung. Denn mit rein intellektueller Anstrengung kommen wir nicht weiter. Dazu äußerte sich Karl Valentin wie folgt:

„Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“

Und so lange wir unsere eigenen Filter nicht erkennen und bewusst darauf verzichten, werden wir unsere Weltanschauung unweigerlich ein Stück weitergeben.

Als erstes liegt es also daran, den Filter bzw. die Kompensationstechnik zu erkennen. Gerade wenn wir augenscheinlich völlig aus dem Nichts „in die Luft gehen“ oder unreflektiert impulsiv handeln, wurde wahrscheinlich ein Trigger aktiviert. Trigger kann man sich wie rote Knöpfe im Bewusstsein vorstellen, die direkt mit traumatischen Erfahrungen in unserem Unterbewusstsein verlinkt sind. Diese Trigger können oft nur allein durch bestimmte Schlagwörter oder harmlos wirkende Situationen ausgelöst werden. Wir wechseln schlagartig von einer neutralen Sichtweise auf unseren Filter und wenden die Methode an, die wir uns als Kinder angeeignet haben.

Psychotherapeuten sprechen dann vom „inneren Kind“, das das Steuerrad in unserem Bewusstsein übernommen hat.

Die zweite Phase besteht darin, Kontakt mit unserem „inneren Kind“ aufzunehmen. Unsere Aufgabe als Erwachsener ist es, dem inneren Kind die bedingungslose Liebe entgegen zu bringen, die wir unseren Eltern geschenkt haben. Wertfrei. Urteilsfrei.

Wir müssen erkennen, dass wir nichts werden, nichts erreichen müssen, nicht schlanker, klüger, gesünder, fitter oder erleuchtet sein müssen, um Liebe empfangen zu dürfen.

In der zweiten Phase lernen wir unser inneres Kind zu verstehen. Wir erkennen seine Handlungsmotive und Beweggründe. Wir lernen Verständnis und Mitgefühl zu entwickeln. Wir lernen nachsichtig mit uns selbst zu sein und geduldig.

Trau dich deine Gefühle zu SPÜREN

Spüren

Dazu kann es nötig sein, dass du dir Zeit nimmst, um mit deinem Schmerz zu sein: SPÜRE deine Traurigkeit, deine Wut, deine Angst. Lass das Gefühl in deinem Körper zu. Wo spüre ich die Traurigkeit? Wie fühlt sich die Wut an? Welches Gefühl auch immer dich zu übermannen scheint und das du mit deinen Kompensationstechniken gelernt hast zu unterdrücken; erst wenn etwas sein darf, voll und ganz zum Ausdruck kommen darf, kannst du die Bedeutung dieser Emotion verstehen, ihren Nutzen wertschätzen und sie liebevoll in dein Menschsein integrieren. So wie du selbst, wollen deine Gefühle gesehen, gespürt und anerkannt werden.

Zum Beispiel: Dein inneres Kind sagt dir: Hey, ich habe Riesenangst! Und keiner nimmt mich ernst!

Du kannst mit dieser Riesenangst sitzen und sie einfach mal SEIN lassen. Du kannst den Schmerz zulassen, ihn von oben bis unten in deinem Körper wahrnehmen. Du kannst sagen: Ja, du hast Riesenangst. Das kann ich verstehen. Es ist okay. Du bist jetzt bei mir in Sicherheit. Ich beschütze dich.

Dies kann ein langer Prozess sein, mit Höhen und Tiefen, mit großen Schritten nach vorne und harten Rückschlägen. Doch je besser wir unser inneres Kind kennen lernen, desto besser können wir als reife Erwachsene einschreiten, bevor es sich sprichwörtlich auf den Boden wirft und blind um sich schlägt. Wir erkennen, dass das innere Kind sich meldet und mit seinen Techniken die Situation lösen möchte. Aber das muss es nicht mehr. Wir sind erwachsen geworden. Und anstatt kleine Kinder zu sein, die Erwachsene spielen, sind wir zu Erwachsenen geworden, die mit ihrem inneren Kind im Reinen sind und ruhig und vernünftig Situationen meistern können.

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Leidest du unter Depressionen, Angstzuständen, Panikattacken, Essstörungen oder sonstigen Verhalten, dass deine Lebensqualität beeinträchtigt? Zögere nicht dir professionelle Hilfe zu holen. Sehe dich nach Psychotherapeuten in deiner Umgebung um, die dich bei der Erkundung deines inneren Kindes fachkundig begleiten!

Stay aware!

*der Begriff Eltern schließt alle Bezugs- bzw. Betreuungspersonen mit ein

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